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Finanzieren in der Krise - Turbulente Zeiten als Chance nutzen

25.06.2009
Das Österreichische Controller-Institut (ÖCI) lud am 25. Juni zum ersten Financial Leadership Round Table für Top-Executives und Finanzführungskräfte ein.
Die erste erfolgreiche Veranstaltung mit mehr als 30 Personen im Palais Todesco widmete sich dem höchst aktuellen Thema „Unternehmensfinanzierung“. Gleich zu Beginn erläuterte Rita Niedermayr ihre Botschaft zum Konzept des Financial Leadership.
 
Financial Leadership
„Financial Leadership betrachten wir als einen Führungsansatz, der die systematische Verknüpfung von strategischem und finanziell sinnvollem Handeln ermöglicht und ohne den sich ein nachhaltiger betriebswirtschaftlicher Erfolg auf lange Sicht nicht einstellen wird. Bei Financial Leadership geht es vor allen Dingen um die Schärfung des betriebs- und finanzwirtschaftlichen Bewusstseins auf allen Ebenen und in allen Funktionen des Unternehmens und um ausgewogene Unternehmensführung.“
 
Die Kredit-Klemme
Mit Stefan Bogner, Vorstand am Institut für Corporate Finance, wurde ein ausgewiesener Finanzexperte für den Round Table gewonnen. Er moderierte den Vormittag und eröffnete den Referenten-Reigen mit einem umfassenden Vortrag. Fazit: Die Wissenschaft habe zwar keine Patentrezepte für den Ausweg aus der Krise, die sich u.a. auch durch die sogenannte Kredit-Klemme zeige. Unternehmen benötigen Kredite, die Banken verschärfen allerdings ihre Konditionen, verlangen höhere Sicherheiten und legen schärfere Klauseln auf. Herbert Tempsch, Managing Director, UniCredit Bank Austria, relativierte diese Aussage und meinte, Unternehmen, die sich gut aufgestellt hätten und dadurch auch eine solide Liquiditätsbasis hätten, erhielten weiterhin problemlos Kredite zu den üblichen Konditionen. Banken als die wichtigsten Kapitalgeber müssten natürlich auch immer wieder auf ihre Ergebnisse achten, Sicherheiten, Ratings und Unternehmenskennzahlen gewinnen nun natürlich auch an Bedeutung. Sein Fazit: Banken konzentrieren sich nun nicht so sehr auf Kernmärkte, sondern auf Kern-Kunden und sind an langfristigen Kundenbeziehungen interessiert.
 
Unternehmens-Liquiditäts-Stärkungsgesetz (ULSG)
Dieses Gesetz sieht vor, dass Großunternehmen mit über 250 Beschäftigten, über 50 Mio Jahresumsatz, die über eine Bilanzsumme von über EUR 43 Mio verfügen, bei Kreditannahme mit einer staatlichen Haftung rechnen können. Wie hoch diese ist, ist bonitätsabhängig und soll sich zwischen 30-70 % bewegen. Abgewickelt wird dies durch die Wechselbürgschaftsabteilung der Österreichischen Kontrollbank. Herbert Tempsch sieht damit noch nicht das Liquiditätsthema „gelöst, denn die Kredite müssen vergebührt werden“. Willy Van Riet, Finanzvorstand der Wienerberger AG, referierte über den Status quo der Finanzierungspraxis bei Wienerberger und gibt sich, was das ULSG betrifft, abwartend.
 
Finanzierungsstrategien im Turnaround
Eduard Zehetner, Sprecher des Vorstands der Immofinanz Gruppe, die durch starke finanzielle Turbulenzen ging, sieht vor allem die Notwendigkeit, den situativen Herausforderungen sehr offen zu begegnen. Als Sanierer plädiert er sehr vehement dafür, dass das Management an der Spitze verändert wird, damit möglichst effizient und effektiv neue und klare Strategien erarbeitet und umgesetzt werden. Denn wesentlich ist, dass der Vorstand die Geschäfte führt und nicht die Bank. „In der Krise braucht man zustands­ab­hängige“ Finanzierungsinstrumente, die auch dazu beitragen, dass die Realwirtschaft gestärkt wird. Dies kann aber nur gelingen, wenn es eine gemeinsame Anstrengung von Politik, Unternehmen, Finanzmärkten gibt.“
 
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