
01.02.2012
Der Jahresauftakt für CFOs, Controller und Führungskräfte aus dem Finanzbereich stand ganz im Zeichen des Themas Nachhaltigkeit. Internationale Top-Referenten aus Forschung und Unternehmenspraxis diskutierten in Wien.
Trendbarometer für Controlling und Financial Leadership
Die heurige Jahresauftaktveranstaltung für CFOs, Controller und Führungskräfte aus dem Finanzbereich stand ganz im Zeichen des Themas Nachhaltigkeit. Unter dem Motto „Doing Well By Doing Good“ diskutierten internationale Top-Referenten aus Forschung und Unternehmenspraxis unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Werner H. Hoffmann (Contrast) am 26. und 27. Jänner in Wien, wie Nachhaltigkeitsüberlegungen in strategische und operative Unternehmensführung eingebettet werden können. Mehr als 200 Teilnehmer folgten der Einladung des Österreichischen Controller-Instituts (ÖCI) in den Kursalon Hübner.
Nachhaltigkeit als Zukunftsthema
Nachhaltigkeit hat sich in den letzten Jahren zu einem zentralen Begriff und einer globalen Verantwortung für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft entwickelt: Um ein Gleichgewicht zwischen Natur, Mensch und Wirtschaft herzustellen, sind kreative Strategien, die einen Mehrwert für alle Stakeholder schaffen, und deren konsequente Umsetzung gefragt. Nur so können Gewinn und Profitabilität dauerhaft gesichert werden. Gleichzeitig ist der Bereich Nachhaltigkeit laut Kongressleiter Werner H. Hoffmann „zu wichtig, um ihn allein den PR-Leuten und den Investor Relations-Verantwortlichen zu überlassen.“ Speziell CFOs und Controller werden gefragt sein, um Nachhaltigkeitsaspekte messbar zu machen, in der Unternehmensstrategie zu verankern und die betrieblichen Planungs- und Steuerungssysteme darauf auszurichten.
Von der moralischen Option zur Geschäftsrealität…
Nadya Zhexembayeva von der IEDC-Bled School of Management in Slowenien steckte das Feld zu Beginn klar ab – aus ihrer Sicht wird Nachhaltigkeit von einer moralischen Option zu einer unausweichlichen Geschäftsrealität, die jede Stufe der Wertschöpfungskette betrifft. Denn einerseits sehen sich die Unternehmen mit zurückgehenden Ressourcen konfrontiert, andererseits steigen die Nachfrage und die Anforderungen seitens der Verbraucher. Auf Produktebene sind somit überlegene Problemlösungen gefragt, die nicht nur umweltfreundlich sondern auch innovativ und smart sind. Zahlreiche Unternehmen zeigten, wie sie mit dieser Herausforderung in der Unternehmensführung umgehen: Georg Schöppl, Vorstand bei den Österreichischen Bundesforsten, präsentierte die Perspektive einer Organisation, die schon von Natur aus nahe am Nachhaltigkeitsaspekt arbeitet. Günter Thumser, (Henkel CEE), zeigte wie ein energieintensiver, produzierender Konzern auf das gestiegene Nachhaltigkeitsbewusstsein in der Gesellschaft reagiert. Timotheus Höttges, CFO der Deutschen Telekom, zeichnete für seinen Konzern das Bild nachhaltiger Finanzsteuerung als Antwort auf volatile Rahmenbedingungen. Knud Barnje Hansen und Henrik Olesen vom dänischen Windradhersteller Vestas gaben Einblicke ins strategische Management eines Unternehmens, dessen Geschäft die nachhaltige Energieerzeugung ist.
… und zur Messbarkeit von Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit wird zunehmend zur Frage der Wettbewerbsfähigkeit, womit sich spätestens jetzt die Frage nach der Mess- und Steuerbarkeit stellt. Hier gilt es für Controller die Rationalität ihres Berufsstandes einzubringen: Für Prof. Klaus Möller von der Universität St. Gallen liegt der Beitrag des Controllings vor allem in der entsprechenden Weiterentwicklung der Planungs-, Steuerungs- und Anreizsysteme – Best Practices dafür gibt es bereits. Nachhaltigkeit gewinnt damit auch an Bedeutung für das Standing des Controllers im Unternehmen und sein Zukunftsbild. Controller haben jetzt die Chance und zugleich die Pflicht, sich als Sparringspartner für alle Fragen der Messbarkeit von Sustainability zu positionieren. Prof. Kim Warren (London Business School) und Prof. Stefan Grösser (Berner Fachhochschule) zeigten, wie die strategische Planung durch systemdynamische Simulationen unterstützt werden kann, die es ermöglichen komplexe Geschäftsmodelle abzubilden und Konsequenzen strategischer Entscheidungen flexibel durchzuspielen.
Fazit
Alle Anwesenden waren sich einig, dass Nachhaltigkeit einer der ganz wichtigen Zukunftstrends in der Unternehmensführung sein wird. Will man als Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich agieren, wird ein Umdenken in der Führung notwendig sein. Die gute Nachricht ist, dass in Forschung und Praxis bereits vielfältige Konzepte für die Implementierung und Steuerung von Nachhaltigkeitsaspekten existieren. Trotzdem ist der Wandel zu einem nachhaltigen Unternehmen ein tiefgreifender organisationaler Lern- und Veränderungsprozess, der Innovation in den Bereichen Produkte, Prozesse, Geschäftsmodelle und Governancestrukturen verlangt. Es gibt also viel zu tun, aber wer in Nachhaltigkeit investiert, kommt der langfristigen Sicherung des Unternehmenserfolgs ein großes Stück näher.
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