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Controlling und Kunst
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Controlling und Kunst - Rolf Eschenbach
Controlling ist keine Kunst ...
Rolf Eschenbach, Controller
Zeichner seit er einen Bleistift halten kann

... sondern der Rationalität verpflichtetes Handwerk und Kopfwerk. Das kann man lehren, lernen und zuverlässig reproduzieren. Für Kunst gilt das nur sehr eingeschränkt. Controlling hat nur selten und dann nur am Rande mit Emotion, Gemüt, Erschütterung, Rührung, Leidenschaft oder Ekstase zu tun – sehr wohl aber die Künste, die davon und dadurch leben und wirken. Die Künste sprechen in eigener Weise und in eigener Sprache den Mensch an – nicht den ganzen Menschen, sondern den Teil des Menschen, der aktiv oder passiv Kunst zum Leben braucht. Jeder Mensch braucht Kunst. In jedem Lebensalter, in jeder Situation in anderer Art und unterschiedlicher Dosierung – nicht messbar und nicht planbar.

Die Arbeit des Controllers und der Controllerin hat gewöhnlich mit Kunst nichts zu tun. Menschen, die controllerisch unterwegs sind, also die Frauen und Männer, die Controlling als Beruf betreiben und diejenigen, die Früchte des Controllings ernten, also die Manager besitzen aber neben ihrer überwiegend geforderten Rationalität auch eine emotional gelenkte Seele, die nicht verdorren darf, weil der Mensch sonst inkomplett wäre. Dieser Teil des Menschen spricht auf Kunst an und braucht deshalb Kunst, sei es als Künstler oder als Kunstkonsument. Gelegentlich kann Kunst sogar ein bisschen Controlling gebrauchen, um einen stabilen berechenbaren Rahmen zu schaffen und zu erhalten, z.B. ein Theater oder ein Museum.

Controller sind nun einmal überwiegend rational bestimmte Menschen und Zahlen ihr wichtigstes Medium. Sie fühlen sich zur Kunst aus Selbsterhaltungstrieb hingezogen, weil sie nicht nur halbe Menschen sein wollen. Sie spüren ein auf die Dauer verderbliches Defizit bei beständiger Absenz von Kunst. Die passiveren unter ihnen konsumieren deshalb Kunst als Medizin fürs Überleben im Dienst einer Balance zwischen Kopf und Herz. Die aktiveren produzieren Kunst im Sinne einer Profilaxe gegen mentale Austrocknung. Sie werden Künstler und bleiben dennoch Controller.