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Controlling und Kunst - Bruno Lässer
»Und wo ist das Konzept ?«
Dr. Bruno Lässer, Geschäftsführer/CFO, Alcar Holding GmbH
Künstlerische Projekte seit 1995

Das Stirnrunzeln begann schon an der WU Wien. Wohl meinende Professoren und Studienberater verbreiteten da die Empfehlung, bei Vorstellungsgesprächen besser dynamische Teamsportarten wie Fußball, Handball oder allenfalls Tennis anzugeben und damit Gruppengesinnung und Ehrgeiz zu suggerieren. Bergsteigen, Radfahren oder gar Interessen wie Musik, Literatur oder andere Kunstformen ließen, so die Befürchtung, Rückschlüsse auf Eigenbrö­telei oder weltfremde intellektuelle Zurück­gezogenheit aufkommen. Nun, erstens wurde ich bei meinen Recruitings gar nicht nach meinen Hobbies gefragt, zweitens hätte ich eh geflunkert und drittens haben mich Teamsportarten wirklich nie interessiert. Geblieben und zwischenzeitlich sogar immer mehr gewachsen ist hingegen mein Interesse für Musik, Literatur, Fotografie und die Berge…

Im Berufsbild des Managers im Allgemeinen und jenem des Controllers im Besonderen ist besonders im letzten Jahrzehnt jene durch­ aus erfreuliche Aufweichung überkommener Rollen- und Verhaltensmuster zu beobach­ten, die auf gesamtgesellschaftlicher Ebene unter Stichworten wie Globalisierung und Mobilität einher geht mit einer durchgreifen­ den Infragestellung zuvor als geradezu sak­rosankt geltender moralischer, sozialer und wirtschaftlicher Paradigmen. So finden sich unter zahlreichen erfolgreichen Managern inzwischen nicht wenige Quereinsteiger, und die schon sprichwörtlich gewordene Patch­work-Familie findet ihre karrieremäßige Ent­sprechung in den Biographien so mancher Führungskraft.

Dabei sind die auf den ersten Blick die image­mäßig so „nüchtern-systematisch-humor­los“ verorteten Controller und die laut gängigem Stereotyp extatischen, chaotisch arbeitenden und emotionalen Künstler doch in Wesen und Arbeitsweise oft gar nicht so fundamental verschieden. Neben der soliden Beherrschung des Handwerkszeuges – Kunst kommt ja bekanntlich von Können – ist bei­ den gemeinsam der analytische, scharfe Blick für die Realität, der sich nicht mit dem zufrieden gibt, was schon beim ersten Hin­sehen offensichtlich ist. Schönreden, Ver­harmlosen und mangelnde Liebe zum Detail sind weder für den Controller noch für den Künstler wünschenswerte Attribute – die überlässt man gerne den Kollegen aus Politik, Marketing und Vertrieb. Während eine syste­matische Arbeitsweise für den Controller selbstverständlich erscheint, ist dies beim Künstler zunächst nicht unbedingt nahelie­gend. Doch das Gegenteil ist wahr:  Zahlrei­che namhafte Künstler sind nicht nur gefinkelte Geschäftsleute, sondern verdan­ken ihren Erfolg in erster Linie harter, diszipli­nierter und vor allem strukturierter Arbeit. Kein ernst zu nehmendes Buch, kein Musik­ stück, kein gelungenes Foto, aber auch kein Bild und keine Skulptur entsteht ohne klaren Grundgedanken und intensive Vorbereitung. Das Bild vom unrasierten Künstler, der nach durchzechter Nacht in einem Anfall von Ge­nie und Wahnsinn ein Jahrhundertwerk in die Welt setzt, ist zwar eine interessante Filmvor­lage für Hollywood, entspricht aber ganz und gar nicht dem oft erstaunlich banalen Alltag der Kreativen an ihren Schreibtischen und in den Ateliers. „Und wo ist das Konzept ?“ ist eine Frage, die jungen Kunstschaffenden schon an den Akademien und Kunsthoch­schulen bis zum Überdruss eingebläut wird.

Für mich persönlich hat sich nie die Fragen nach dem Entweder-Oder, also Wirtschaft oder Kunst gestellt. Bücher haben mich seit meiner Kindheit interessiert. Auch die Foto­grafie übte schon ziemlich früh eine magi­sche Anziehungskraft aus, bei unseren Familienausflügen faszinierten mich deshalb weniger die Bergwelt als vielmehr die damals noch mit Kodak Instamatic-Kassetten be­stückte Knipskamera. Die Liebe zur Musik, vor allem zur so genannten Klassischen, entdeck­te ich mit vierzehn Jahren, ganz in Opposition zu meinen damaligen Mitschülern, die ihre Ohren eher an ABBA, Beatles & Co. schulten. Bei der Musik ist es, leider, bei einer passiven Leidenschaft geblieben. Das Schreiben und vor allem das Fotografieren hingegen betrei­be ich, je nach von Familie und Beruf zuge­standenem Zeitpensum, intensiv und mit dem Willen zur ständigen handwerklichen und kreativen Weiterentwicklung.